By Berg: Der ultimative Bewerbungsmappen-Check

Wie sieht eine zeitgemäße Bewerbung heute eigentlich aus? Wo finde ich Vorlagen und Muster? Und braucht man heute noch ein Bewerbungsschreiben? Die Berg Recruiting-Profis klären heute über Mythen und Wahrheiten auf und zeigen, wie man es richtig macht. Schauen Sie doch mal rein!
„Wer sich richtig und ordentlich bewirbt, hat nach wie vor die besseren Chancen.“ Yvonne Deschner, Inhaberin des Nürnberger Personaldienstleisters Berg Gruppe, weiß, wovon sie spricht. „Ich höre oft, dass Alter, Geschlecht oder ein Bewerbungsschreiben heute nicht mehr nötig sind. In der Realität ist es aber anders: da erkennen wir seitens der Personaler bis heute kaum Akzeptanz für anonyme oder reduzierte Bewerbungen. Ja, One-Klick klingt gut – aber die Qualität leidet, weil viele sich mit ihrer Bewerbung kaum noch Mühe geben. Unser Glaube: In wirtschaftlich schwierigeren Zeiten verzichten Unternehmen auch in Zukunft gern auf solche Kandidaten“. Und Falschinformationen zum Thema Bewerbung gibt es viele im Netz. Darunter diese:
Behauptung 1: Bewerbung ohne Foto ist okay
Wahrheit: Ein Bewerbungsfoto ist rechtlich freiwillig: seit 2006 schützt das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz gegen Foto-Zwang. Offiziell ist es daher out, doch in der Praxis ist ein professionelles Bewerbungsfoto immer noch weit verbreitet – in vielen Branchen gilt es als Standard. Fehlt es, kann es Nachteile bringen, sofern in der Stellenanzeige nicht ausdrücklich darauf verzichtet wird. So legen 53 % der Personaler weiterhin Wert auf ein Bewerbungsfoto, und gut 19% sortieren eine Bewerbung ohne Bild sogar sofort aus. Heute reicht aber schon ein Handyfoto vor weißer Wand aus.****
Behauptung 2: Bewerbungsschreiben wird nicht mehr gefordert
Wahrheit: Ein Bewerbungsschreiben ist zwar nicht zwingend erforderlich – insbesondere bei Bewerbungen über Online-Portale –, aber keineswegs bedeutungslos. Rund 59 % der Personalentscheider akzeptieren Bewerbungen ohne Bewerbungsschreiben*. Allerdings berichten viele von ihnen dennoch, dass Bewerbungen ohne Anschreiben häufig aussortiert werden, teilweise in bis zu 9 von 10 Fällen. Wer also ein Anschreiben einreicht, verbessert nachweislich seine Chancen – sofern es gut geschrieben ist. Noch wichtiger ist jedoch ein Summary – ein Kurzüberblick über Vita, Skills und Fähigkeiten.
Behauptung 3: In vielen Berufen reicht es, Englisch zu sprechen
Wahrheit: Deutschkenntnisse bleiben in Deutschland in den meisten Berufen essenziell. Vor allem in Kundenkontakt, interner Kommunikation, Verwaltung, Gesundheitswesen, Bildung und im Marketing ist Deutsch als Muttersprache und eine sichere Rechtschreibung unerlässlich**. HR-Managern zufolge haben Rechtschreib- und Ausdrucksfähigkeiten weiterhin einen wesentlichen Einfluss auf die Einstellungschancen. Und selbst in der IT stellt man weiterhin ungern Menschen ein, die Deutsch nicht beherrschen.
Behauptung 4: Arbeitszeugnisse will keiner mehr
Wahrheit: In vielen Bewerbungen fehlen inzwischen Arbeitszeugnisse – aus Bequemlichkeit oder weil der Eindruck entsteht, sie seien nicht mehr relevant. Doch laut einer Studie***** halten 72 % der Unternehmen Arbeitszeugnisse weiterhin für „wichtig“ oder „sehr wichtig“. Auch die Süddeutsche Zeitung bestätigt: Zeugnisse zählen zu den zentralen Unterlagen einer Bewerbung. Empfehlenswert ist, die letzten drei relevanten Zeugnisse beizufügen – weniger wichtige Nachweise können weggelassen oder bei Bedarf nachgereicht werden.
Tipp vom Recruiting-Profi: So geht Bewerbung 2025
Eine gute Bewerbung überzeugt durch Klarheit und Relevanz. „Wichtig ist, dass Personaler auf einen Blick das Relevante erkennen können. Deswegen ist ein persönliches Summary mittlerweile ein absolutes Must-have“, sagt Yvonne Deschner. So stellt man seine Stärken auf einen Blick heraus und kommt mit Glück schneller in die enge Auswahl. Genauso wichtig sei ein gut ausformulierter Lebenslauf, dann kann auch auf ein Bewerbungsanschreiben verzichtet werden.
Wenn man dennoch eines beilegen möchte, sollte es passgenau auf die jeweils ausgeschriebene Stelle zugeschnitten werden und zeigen, wie die geforderten Skills im bisherigen Arbeitsleben eingesetzt wurden. Der Lebenslauf sollte maximal zwei Seiten umfassen, rückwärts-chronologisch aufgebaut und mit Monatsangaben versehen sein. Soft Skills, IT- und Sprachkenntnisse gehören dazu – inklusive realistischer Selbsteinschätzung. Zeugnisse und Zertifikate sollten aktuell und zur Stelle passend sein, die letzten drei genügen. Wer viel Erfahrung hat, kann ein ergänzendes Aufgaben- oder Projektprofil anfügen.
Und: „Viele Unternehmen bevorzugen es mittlerweile, alle Unterlagen in einer einzigen PDF-Datei gebündelt zu erhalten – das ist übersichtlich und professionell“, so Deschner. „Wer auf diese Weise zeigt, dass er smart ist und sich Mühe gibt, hebt sich ab – und das kann entscheidend sein, wenn der Wettbewerb zunimmt“.
Quellen:
* Robert Half, Arbeitsmarktstudie 2017
** Bundesarbeitsagentur
**** Umfrage der Jobplattform Indeed
***** karriereakademie.de